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Dem Land seine Bilder geben #5: Ruhr Record / Außen Fuji Tag

von Rainer Komers
am 5.2.2023 um 18 Uhr im Theater an der Ruhr, Mülheim a. d. Ruhr

Das Filmbüro NW zeigt in der Filmreihe „Dem Land seine Bilder geben“ Filme aus den 42 Jahren Filmbüro an ihren Entstehungsorten, diesmal in Mülheim an der Ruhr. Gezeigt wird von Rainer Komers Ruhr Record (45min, 2014), anschließend Filmgespräch und Buchpräsentation Rainer Komers „Außen Fuji Tag“.

Das Ruhrgebiet, ein von Erdbewegungen und Verkehrsadern perforiertes Agglomerat aus Vorstädten, Arbeits- und Forschungsstätten und Freizeiteinrichtungen aller Art ist Gegenstand des vierten Films der Tetralogie „Vier Elemente“. Ein Leitmotiv der Bild-Tonkomposition RUHR RECORD ist das Element „Feuer/Licht“.

Das Ruhrgebiet trug einst, als es noch „Revier“ oder „Pott“ genannt wurde, die Kohle und die dampfenden Schlote schon im Namen. Mit dem Ende der Industrie und der Arbeit, wie wir sie kannten, muss es sich neu definieren. Wo früher Bergmänner in den Schacht fuhren, Erz verladen und Stahl gekocht wurde, breitet sich heute ein riesiger Freizeitpark aus – Fun ist die neue Maloche. Eine Region im Wandel. Zum Glück hat das Ruhrgebiet Rainer Komers, den Meister der Übergänge, auf die es nicht nur in der Strukturkrise, sondern auch im nonverbalen dokumentarischen Erzählen ankommt. Aus ruhig beobachteten Bildern und mit Bedacht gesetzten Tönen komponiert der Film einen Reigen, der Elemente, Bewegungen oder Texturen aufnimmt und in etwas Neuem weiterführt. Aus dem Gleiten der Gondel eines Fahrgeschäfts wird das der Kohle auf dem Förderband, vom Abstich am Hochofen geht es zur Herdplatte, auf der türkische Frauen Fladenbrot backen, und die ornamentale Struktur einer Produktionsanlage findet sich in den Holzscheiten eines Lagerfeuers wieder. Überhaupt – das Feuer, das Wasser und die stetig aus allen Bildern wallenden Dampfschwaden! So wie die Urgewalten noch da sind und eine ewige Bewegung, bleiben die Menschen. Singen ein finales „Glück auf!“ und verwetten den letzten Lohn beim Pferderennen. Eindrücklicher als mit RUHR RECORD kann man Liebe nicht erklären. (Grit Lemke, Katalog DOK Leipzig)

„Ruhr Record“ Dokumentarfilm · 45 Minuten · HD · Farbe · 5.1 Surround · Deutschland 2014
Regie & Kamera Rainer Komers – Assistenz Hiroko Inoue, Selver Kabak, Florian Pawliczek – Ton Michel Klöfkorn Schnitt Bert Schmidt – Mischung Christian Riegel – Grading Daniel Stübner – Produzenten Rainer Komers, Mathias Krämer, Kurt Otterbacher – Produktion kOMERS.film, strandfilm in Zusammenarbeit mit WDR/ARTE Redaktion Sabine Rollberg – Förderung Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Film und Medien Stiftung NRW, Hessische Filmförderung.
Filmfestivals DOK Leipzig, ATLANTIDOC Uruguay, BIG SKY Documentary Film Festival Missoula / Montana, LICHTER Filmfest Frankfurt, BLICKE filmfestival des ruhrgebiets

»Komers schafft mit RUHR RECORD das liebevolle Dokument einer Region – darauf spielt bereits das „record“ im Titel an. Nebenbei erzählt er eine elementare Geschichte – nahezu durchgängig qualmt, lodert oder glüht es – über Zeit und Vergänglichkeit. „So dreht sich die Erde“ sagt ein Mann gänzlich unsentimental an einer Stelle, passend zum Grundton dieses wunderbaren, kleinen Films.«
Stephan Langer – kino-zeit.de, Das Portal für Arthouse-Film und Kino

»Atmosphärisch dicht, überraschend, fast experimentell geschnitten, über allem ein Hauch Melancholie und doch eine Liebeserklärung an eine Region, deren Vielfalt kaum in Worte zu fassen ist. Rainer Komers gelingt mit RUHR RECORD eine beeindruckende Hommage an sein „Revier“.«
LICHTER Filmfest – Frankfurt

BUCHPRÄSENTATION „AUßEN FUJI TAG“

»Beim Filmemachen trage ich den Spiegel vor der Brust, beim Gedichtemachen in der Brust.« 
Rainer Komers

Rainer Komers. Foto: Frank Wierke

Die erste umfassende Monographie stellt das vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilm-Œuvre von Rainer Komers vor. Gleichzeitig präsentiert der Band seine weniger bekannten Arbeiten als Lyriker, Typograf, Fotograf und Plakatgrafiker. Die Werkschau zeigt, wie sich die unterschiedlichen Künste über die Jahre gegenseitig beeinflusst und befördert haben.
Zwischen den theoretischen und konzeptionellen Positionen von Walter Benjamin und Andy Warhol entwickelt er ein Gesamtwerk, das vom Bild ausgeht (Film, Fotografie, Druckgrafik) und sich dem Wort zuwendet, ohne die Arbeit am Bild aufzugeben (Lettristische Gedichte, Lyrik einerseits, die theoretische Arbeit um den Anteil von Sprache im Film andererseits).

»Eine schöne Auswahl seiner Texte, teils Konkrete Poesie, aber auch seiner frühen Plakate – Komers ist ausgebildeter Siebdrucker – bringt der opulent illustrierte Band »Außen Fuji Tag«. Er ist, auch dank der Gespräche des Künstlers mit dem Herausgeber Andreas Erb und dem Schriftsteller Michael Girke, und selbstverständlich wegen der reich dokumentierten Filmographie unverzichtbar für jede Beschäftigung mit diesem erstaunlichen Werk. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, dass in der Kunst das Politische und das Poetische nur im Zusammenspiel wirksam werden, Rainer Komers hätte ihn geliefert. Was sie verbindet, ist das PrinzipProduktion.«
Stefan Ripplinger (JW Wochenendbeilage)

Der Regisseur Rainer Komers wird bei der Veranstaltung aus seinem Buch „Außen Fuji Tag“ lesen. Moderation des Filmgesprächs: Marcus Seibert

Veranstaltungsort: Theater an der Ruhr, Akazienallee 61, 45478 Mülheim a. d. Ruhr
Eintritt 5 €
Karten-Telefon des Theaters an der Ruhr: 02085990188

Eine Veranstaltung des Filmbüro NW in der Reihe „Dem Land seine Bilder geben“ gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

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