am 15. und 16. Januar im Filmhaus Köln Arbeit strukturiert unser Leben: Sie prägt Körper,…

Nachruf auf Arne Birkenstock
Dass Arne nicht mehr da ist, können wir noch gar nicht fassen. Obwohl wir doch wussten, wie krank er war. Nicht zuletzt von ihm selbst.
Arne hat uns auch deshalb so beeindruckt, weil er unumwunden mit der Tatsache seines baldigen Sterbens umging. Er wusste es, fand es auch richtig „scheiße“, aber er hat sich der Krankheit nicht ergeben. Er bot dem Krebs auf seine ureigene Art die Stirn, indem er eisern dabei blieb, aus der ihm verbleibenden Zeit das Schönste herauszuholen: Zeit für seine Familie, die Musik, für seinen großen Freundeskreis – und für eine Zigarette. Es könnte ja die letzte sein.
Bei einem der letzten Treffen erzählte er, wie er sich auch weiterhin intensiv der Musik widmete. Er verbrachte Probenwochenenden mit Musikern, mit denen er sich bei einem Workshop anfreundete und die sich immer wieder zum Musizieren trafen. Das war ihm sehr wichtig. Und man merkte, dass er davon noch so viel wie möglich „haben wollte“. So wie vom ganzen Leben, das er intensiv und genussvoll gelebt hat. Bis zuletzt hatte er noch Pläne für Konzerte, reiste mehrfach in sein geliebtes Haus in Italien, ging zum FC und ins Wicleff und empfing Gäste auf seiner Terrasse. Er bereue nichts und habe auch nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Wie schön und beeindruckend, das am Ende des eigenen Lebens von sich sagen zu können.
Arne war ungemein umtriebig, als Regisseur, Produzent, Musiker, Autor, Dozent, Referent, Gutachter, langjähriges Mitglied und geschätzter Ratgeber in Verbänden wie der AG DOK, der Deutschen Filmakademie und dem Filmbüro. Ein brillanter Redner und ein engagierter, unbequemer und furchtloser Kämpfer für die Wertschätzung des dokumentarischen und demokratischen Filmschaffens. Dabei hatte er stets das Wohl der gesamten Branche im Blick und nie seinen eigenen Vorteil.
Arnes Filmschaffen war stets von Haltung, Zuneigung und Empathie geprägt. Er stand nie still, ruhte sich nie auf seinen Erfolgen aus und traf als Produzent mutige und innovative Entscheidungen. Sein Werk als Regisseur und Produzent weist dadurch eine enorme Bandbreite auf: vom Kinder-Dokumentarfilm „Chandani und ihr Elefant“ über das auch kommerziell erfolgreiche Porträt Wolfgang Beltracchis und persönliche Debütfilme wie „Mamacita“ bis hin zu den künstlerisch herausfordernden Arbeiten mit Milo Rau und dokumentarischen Serien wie „Capital B“ oder „Till Murder Do Us Part“. Als begeisterter Karnevalist pflegte er kölsches Brauchtum, spielte u.a. in der kölschen Mundartband „Schmackes“ und untersuchte mit Jan Tengeler die Spuren deutscher Volksmusik in „Sound of Heimat – Deutschland singt“.
Vor allem aber war Arne stets ein treuer Freund und Wegbegleiter: mit seiner kölschen Herzlichkeit, seinem offenen Ohr für seine Kolleg*innen und Freunde, mit seinem unbestechlichen Blick und seinem stets wohlmeinenden Rat. Er vernetzte uns, stand uns zur Seite, führte in die Branche ein. Seine Begeisterung war ansteckend und schwappte ungebremst auf uns über. Nach einem Treffen mit Arne kam man immer gestärkt und bestens gelaunt wieder nach Hause.
Wir vermissen Dich sehr, lieber Arne: als leidenschaftlichen Filmemacher, engagierten Mitstreiter und loyalen, herzlichen Freund.
Mach et joot! / Alle Jläser huuh, auf Dich! / Mit einem stillen Alaaf!
Erik Winker, Luzia Schmid, Sonja Hofmann und Torsten Reglin im Namen des Filmbüro NW
